Klumpfuß (Pes equinovarus adductus excavatus)
1. Klumpfuß angeboren
Pes equinovarus excavatus et adductus
Es ist die häufigste angeborene Missbildung im Fußbereich. Der Klumpfuß setzt sich zusammen aus mehreren Komponenten: Spitzfuß + Hohlfuß + Sichelfuß + supinierter Fuß, die s.g. Varusstellung des Calcaneus (das Fersenbein ist komplett nach innen gedreht).Der Klumpfuß kann als eigenständiges Krankheitsbild oder als sekundäre Erkrankung auftreten. Es handelt sich um einen rezessiven Erbgang, der ein- oder beidseitig auftreten kann. Ein autosomaler rezessiver Erbgang tritt nur dann in Erscheinung, wenn beide Eltern die gleiche Veränderung in einem Gen tragen. Die Eltern müssen dabei nicht betroffen sein. Die Wahrscheinlichkeit zu erkranken liegt bei 1:4.
Jungs sind doppelt so oft betroffen als die Mädchen.
Ursachen:
Sind eigentlich unbekannt, es gibt nur Vermutungen
- eine Fibrose (Vermehrung des Bindegewebes in Geweben und Organen. Dabei wird das Gewebe des betroffenen Organs verhärtet, was zu narbigen Veränderungen führen kann. Es bilden sich muskuläre Dysbalancen (zum einen Verhärtungen, zum anderen Schwäche) was letztendlich zu Verformungen im Organ führt.
- ein Stehen bleiben in der frühembryonalen Entwicklung des Fußes
- eventuell familiäre Häufung, posttraumatische Ereignisse (schwerer Unfall, Verbrennungen)
Symptome:
Beim Neugeborenen sind die klinischen Zeichen einer Deformierung eindeutig zu sehen
- Hohlfuß
- Sichelfuß (Supination des ganzen Fußes, nach innen gedreht))
- Spitzfuß
- Varusfehlstellung des Rückfußes (die Ferse ist nach innen gedreht)
Es kommt zu Verkürzungen und zu Muskelschwäche (Atrophie) der Wadenmuskulatur (M. triceps surae) sowie zu Lageveränderungen der Mittelfußknochen zueinander (Tarsalknochen).
Diagnostik:
Durch die klinischen, sichtbaren Zeichen ist die Diagnostik leicht festzustellen.
Prognose:
Je früher die Deformität erkannt wurde umso besser ist das Ergebnis. Bei unbehandelten Fällen ist die Prognose sehr schlecht. Die Belastung des Fußes ist nur noch auf dem Außenrand (lateraler Fußrand), oder sogar auf dem Fußrücken, und somit das normale Gehen (das normale Abrollen des Fußes) ist nicht möglich. Auf die Dauer betrachtet entwickeln sich weitere Veränderungen/Verformungen in den Nachbargelenken wie z.B. Kniegelenk, Hüftgelenk). Die gesamte Achse des Beins stimmt entspricht nicht mehr der Norm. Die Wirbelsäule leidet genauso sehr unter dieser Fehlbelastung und passt sich dementsprechend an. Sie verformt sich, es bildet sich eine Krümmung (Skoliose), die wiederum in fortgeschrittenem Stadium die Atemorgane (Lunge) belastet. Durch die Verdrehung des Brustkorbes (Thorax) wird die Lunge enorm eingequetscht und kann sich auf dieser Seite nicht genug entfalten.
Therapie:
Am besten gleich nach der Geburt mit der Therapie beginnen und den Fuß zuerst manuell korrigieren
- Reponieren manuelle Korrektur des Fußes: zuerst wird die Varus-Adduktions-Supinationsfehlstellung (die totale Verdrehung nach innen) korrigiert und dann
- Eingipsen
Der Gipsverband wird erst täglich gewechselt, dann alle zwei Tage, später wöchentlich und dabei immer neu reponiert. Und das die ersten 3 bis 4 Monaten.
Nach ca. 3-4 Monaten geht die Korrektur weiter falls eine Deformität noch vorhanden ist und zwar mit einer Operation. Es wird jetzt die Spitzstellung korrigiert und wahrscheinlich die Achillessehne operativ verlängert, weil durch den Spitzfuß sich eine starke Verkürzung entwickelt. Dann wieder
Die korrigierenden Maßnahmen können bis zum 2-3 Lebensjahr durchgeführt werden. Sonst ist eine weitere konservative Therapie bis zum Abschluss des Wachstumsalters unverzichtbar. Bei inkonsequenter Behandlung kann es zu Rezidiven kommen.
Prophylaxe:
Als Vorbeugung, dass die Fehlstellung nicht wieder kommt sollen die Kinder weiterhin tragen
- Dreipunkteinlagen
- Nachtschienen
- Konsequente und regelmäßige Therapie
Die Nachkontrolle mittels Röntgenbild ist sehr wichtig vor allem wenn die Kinder beginnen zu laufen. Es wird geschaut wie die Fußknochen (Talus, Calcaneus) zueinander stehen, in welchen Winkel sie zueinander stehen.
Die Rezidivrate der Klumpfüße ist groß, muss während des gesamten Wachstumsalters therapiert und nachuntersucht werden. Bei Vernachlässigung der Behandlung kann sich erneut ein untypisches Gangbild entwickeln.
2. Klumpfuß erworben
entsteht meistens als Folge von Lähmungen (Paresen) sowohl schlaffe als auch spastische Paresen. Dazu gehören Erkrankungen wie z.B. Spina bifida (Ausstülpung des Rückenmarks) was zu einer Querschnittslähmung führt, oder Verletzungen unterhalb der Nervenwurzel L3 und L4 z.B. nach einem Unfall, starke Bandscheibenproblematik, Wirbelsäulenstenosen. Die Nervenwurzel L3-L4 versorgt unter anderem die Muskulatur am Fußaußenrand. Durch die Lähmungen entwickeln sich Muskeldysbalancen, die dann zu Verformungen und Fehlbelastungen im Fußbereich führen können. Daraus kann sich genauso ein Klumpfuß entwickeln, da diese Patienten auf dem Außenrand des Fußes laufen.
Therapie:
Bei neuromuskulär bedingten Klumpfüßen wird statt einer Verlängerung der verkürzten Sehnen eher eine Durchtrennung dieser durchgeführt da sonst eine hohe Rezidivrate besteht.
Allerdings auch bei einer konsequenten Behandlung muss man damit rechnen, dass gewisse Bewegungseinschränkungen verbleiben können, die nicht mehr reparabel sind.
Nach abgeschlossenem Wachstum können die Restdeformitäten des Klumpfußes mittels
- Arthrodesen (Hilfsschienen)
- orthopädischen Schuhen
korrigiert werden.