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Ein paar Worte zu sportlicher Betätigung während der Schwangerschaft:
Jede Frau ist anders, jede Schwangerschaft läuft anders und meine hier wiedergegebenen Erfahrungen besitzen deshalb natürlich keine Allgemeingültigkeit und sollten deshalb auch nicht blind imitiert werden!
Die beliebte Floskel "Fragen sie ihren Arzt oder Apotheker" wird gerade bei dieser Thematik so gut wie nie weiterhelfen. Wenn man seinem Frauenarzt nach der Erlaubnis zu sportlicher Betätigung fragt, wird man so gut wie immer eine abschlägige Antwort erhalten. Das hat in erster Linie haftungsrechtliche Gründe. Jeder Gynäkologe hat enorme Angst, verklagt zu werden, wenn in der Schwangerschaft aus welchem Grund auch immer irgendwas schief läuft. Er wird deshalb verständlicherweise nur ungern Verantwortung für das Freizeitverhalten einer von ihm betreuten Schwangeren übernehmen. Im Zweifelsfall wird man nach einer solchen Anfrage ein Sportverbot bekommen (auch wenn es dafür medizinisch keinen Grund gibt) und dann erst Recht ein schlechtes Gewissen haben, falls man trotzdem Sport treibt.
Andererseits kann man bei Müttern mit leistungssportlichen Vorerfahrungen ein überdurchschnittliches Körpergefühl erwarten. Durch die regelmäßige sportliche Betätigung vor der Schwangerschaft haben sie gelernt, in den eigenen Körper hinein zu horchen. Diese Erfahrungen können sie sich zu Nutze machen! Ich hab' während meiner drei Schwangerschaften immer nach dieser Devise gehandelt und bin dabei - subjektiv - jederzeit gut gefahren: nie Probleme mit dicken Beinen und Bluthochdruck oder einer Zunahme des Körpergewichts über das "übliche" Maß hinaus... und auch die unvermeidlichen Stimmungsschwankungen während der Schwangerschaft halten sich - denke ich - bei regelmäßiger sportlicher Betätigung eher im Rahmen.
Die Natur hat bei werdenden Müttern ohnehin eine Leistungsbremse eingebaut, so dass diese sich gar nicht soooo intensiv belasten können, dass es dem kleinen Zwerg im Bauch an irgendetwas fehlt. Die Plazenta holt sich immer mit höchster Priorität Sauerstoff und Nährstoffe aus dem mütterlichen Blut. Nur was danach noch übrig bleibt steht für sportliche Betätigung überhaupt noch zu Verfügung!
In der Frühschwangerschaft habe ich zum Teil unwissentlich, teils aber auch wissentlich jeweils noch den einen oder anderen Wettkampf gemacht (bis maximal zur 8. Woche), ohne dass sich dabei bei mir irgendwelche Probleme ergeben hätten. Einmal finishte ich sogar zusammen mit Marc-Philipp einen Ironman (Zürich 2001). Der war dann natürlich nicht auf dem Niveau, das ich ohne Schwangerschaft hätte haben müssen. Wettkämpfe würde ich allerdings auf keinen Fall als allgemeingültige Empfehlung für andere aussprechen. Die Schwelle mal eben stehen zu bleiben, oder einfach langsamer zu tun, weil es einem das persönliche Körpergefühl signalisiert, liegt hier sicherlich je nach Ausmaß des persönlichen Ehrgeizes spürbar höher als beim Training: im Zweifelsfall lieber kein Risiko eingehen!!!
Frauen büßen während der Schwangerschaft gewaltig an Form ein (Männer zum Teil auch ;-))), vor allem innerhalb der letzten 3 Monate einer Schwangerschaft !!!! Habt daher ja kein schlechtes Gewissen, wenn ihr dick und kugelrund seid und einfach gar keine Luft mehr habt !! Treibt trotzdem Sport. Macht was euch einfällt und gut tut. Es hilft euch in jedem Fall bei der Geburt !!! Die ist im Prinzip eigentlich wie eine Langdistanz: oft genauso lang und fast immer genauso schmerzvoll. Mit Frederic lag ich beispielsweise über 17 Stunden in den Wehen. Stellt euch gleich drauf ein !!!
Nach der Geburt kam ich jeweils deutlich motivierter und leistungsbereiter als vorher ins Training bzw. in den Sport zurück. Die Trainingsreize wirken darüber hinaus nach dieser „Zwangspause“ oftmals viel effektiver. Selbst Männern empfiehlt man ja manchmal eine längere Sportpause, wenn nach mehreren Jahren Leistungssport das Training nicht mehr wie gewünscht anschlägt. Die aber haben nach der Pause dann nicht so einen süßen Zwerg zu Hause. Es sei denn, sie machen die Pause, während die Frau schwanger ist ;-)
Wenn ihr vor der Schwangerschaft viele lange ruhigere Einheiten gemacht habt, um euch auf eine Mittel- bzw. Langdistanz vorzubereiten, dann fangt nach der Schwangerschaft (wenn ihr euch wieder nach Bewegung und Training fühlt) einfach an, wirklich kürzer und hart zu trainieren. So könnt ihr während der Stillpausen mit dem Zwerg im Babyjogger sogar Intervalle laufen. Geht alles !!!!! Keine Angst, die Milch wird bestimmt nicht sauer wie Omis immer glauben !!! So stark ins Laktat geht ihr bestimmt nicht, wenn ihr ein paar Fahrtspiele macht. Nehmt euch nach der Schwangerschaft einfach die Zeit ein- bis zweimal täglich Sport zu machen, entweder mit Zwerg oder auch kurz mal ohne. Raus müssen die Kids ja sowieso, andere gehen spazieren, unsereins geht eben joggen, bzw. anfangs Inlinen oder fährt mit dem Radanhänger herum.
Um die notwendige materielle Ausrüstung kann man sich schon während der Endphase der Schwangerschaft kümmern: Hänger und Babyjogger sind Pflicht !!!! Wenn ihr noch keinen Babyjogger habt, kauft bitte einen mit mind. 16 Zoll Reifen, besser sogar 20 Zoll. Mit den großen Reifen kommt ihr auch auf schlechten Wegen joggend durch ! Unser erster Hänger war (und ist) ein hochwertiger Hänger mit fester Aluschale und stabilem Dach ("Leggero"). Das war damals eine Investition im vierstelligen DM-Bereich, aber sie hat sich nach etlichen 1000 km längst amortisiert und das Teil fährt immer noch. Außerdem gibt es mittlerweile ebay. Harald hat für den Radanhänger eine passende Baby-Schale mit Gurtsystem gebaut, gibt es mittlerweile auch zu kaufen, so dass wir wirklich ab Tag 0 unsere Zwerge im Hänger mitnehmen konnten. Beim dritten Zwerg waren wir dann sogar selbstbewusst genug, dass wir bereits zur U3 (zwei Tage nach der Geburt) mit Marc-Philipp neben Anna-Marie im Hänger und Frederic auf dem Tandem gefahren sind: Eltern ausgeglichen Zwerge ausgeglichen !!! Zum Stillen wurde einfach im Grünen Pause gemacht. Ihr dürft nie denken, oh Gott jetzt muss ich schon wieder Pause machen, so bringt das Training bestimmt nichts !!! Wenn es so wäre, hätte ich die letzten 6 Jahre nie etwas trainiert. Ich trainiere selten mal eine ganze Stunde am Stück, ständig ist Essen zu verteilen, sind Spielsachen zu besorgen usw.. Es sind immer Pausen dabei. Seht es eben als Intervalltraining mit unterschiedlichen tempi !!! Den Kids macht es sowieso Spaß, mal Spielplatzpausen zu machen, oder an der Eisdiele vorbei zu joggen (und dort natürlich auch mal kurz anzuhalten ;-) ).
Aber zurück zum Training in der Schwangerschaft. In einem Triathlonheft wurde mal geraten, nach der Geburt ein halbes Jahr mit dem Training zu warten und während der Schwangerschaft nur den Mann trainieren zu lassen...warum ??? Damit der Mann trainieren gehen kann ? ;-) Also, ich denke Frau sollte während der Schwangerschaft so Sport treiben, wie sie sich fühlt. So hab ich das immer gemacht. Ich konnte nur die ersten 8-10 Wochen der Schwangerschaft laufen. Danach ging es nicht mehr. Radfahren ging immer, allerdings musste ich (also gut Harald ;-) den Lenker von Monat zu Monat höher stellen und irgendwann dann sogar die MTB-Hörnchen nach vorne drehen!! Meistens saß ich eine Stunde täglich auf dem Ergometer, um ein gutes Buch zu lesen. Während ich mit Anna-Marie, unserer Mittleren schwanger war, haben wir uns ein Tandem zugelegt. Wirklich zu empfehlen. So konnte ich mit Harald überall gemeinsam hinfahren und wir konnten richtige Ausflüge machen... auch noch im 9. Monat: Harald musste ziemlich treten, aber geschadet hat es ihm nicht ;-) .
Das Tandem nutzten wir auch noch, während ich mit dem 3. Zwerg schwanger war, hinten natürlich mit Hänger dran. Schwimmen waren wir wie üblich 1-2 mal alle 2 Wochen. Hier bin ich meistens 1500m getümpelt. Ach ja, Inlineskaten ging auch super. Langlaufen war ich bei den Schwangerschaften nie, weil der Anfahrtsweg zur Loipe damals noch ziemlich weit gewesen wäre. Richtig trainieren kann man das also nicht nennen. Ich habe mir keinen Kopf gemacht über Saisonplanung während der Schwangerschaft. Einfach sportlich betätigt, um fit zu bleiben. Das alles im GA 1 Bereich. Ich konnte mich gar nicht richtig anstrengen.
Unser erster Sohn, Frederic wurde im August (1997) geboren. Danach musste ich mich erst mal gewaltig umstellen. Es war ungewohnt einen Zwerg zu haben, auch wenn man es natürlich genoss. Stillen machte müde und man konnte sich nicht einfach mal hinlegen und schlafen. Auch das nächtliche Stillen schlauchte natürlich. Aber jede Überwindung Sport zu machen, baute einen auf und machte im Kopf fitter ! Da es bei Frederic eine Saugglocken-Geburt war und der Dammschnitt anschließend noch eiterte und somit verzögert heilte, konnte ich nach dieser Geburt erst etwa 12 Wochen später wieder radeln, bzw. laufen. Davor war ich dann walken. Bergauf walken auf einem Laufband geht auch, oder Inlinen, bzw. Langlaufen. Frederic haben wir später beim Ski-Langlaufen, damals wohnten wir im Schwarzwald, einfach in einem Babyschlitten (kleiner Bob mit Kufen in Loipenspurbreite) mitgezogen. Nach den späteren Geburten (nach der zweiten eine Woche später, nach der dritten vom zweiten Tag nach der Geburt an) bin ich gleich wieder geradelt, zum Einkaufen mit dem Hänger, mal ne Stunde mit dem Rennrad usw. Mit dem Laufen habe ich erst ca. nach 4 Wochen begonnen. Vorher drückte einfach noch alles nach unten, spürt man ja. Aber nun ging das Training wieder regelmäßiger und einfacher, so dass ich ziemlich schnell fit wurde, d.h. nach ca. 3 Monaten auf gutem Niveau Triathlonwettkämpfe bestreiten konnte. Habe aber auch, als ich merkte, dass das Laufen, Radfahren und Schwimmen wieder ohne Probleme ging, zunehmend härter trainiert. Kurz und hart !!!! Das brachte mich schnell in Form. Ich hätte aber auch nicht mehr als 6 Wettkämpfe die Saison machen können, da die Grundlage vom Winter fehlte. Kulmbach 2002 (Deutscher Meister 4 Monate nach der Geburt von Marc-Philipp) habe ich wirklich nur mit der kurzen, harten Vorbereitung bestritten (und wahrscheinlich auf Basis einiger Trainingsjahre). Aber man darf nicht vergessen, dass man nach der Geburt den Kopf frei hat !!! Was hat man denn zu verlieren... Ich wollte dann einfach mal wieder `ne Langdistanz machen und finishen. Nur, essen musste ich unterwegs ziemlich viel ;-)
Gestillt habe ich jedes Mal mindestens ein volles Jahr. Das bedeutet also auch Training und Wettkämpfe mit Stillen und Abpumpen. Das ging völlig problemlos. Manchmal waren wir länger joggen, mit Babyjogger und ca. 4 Stillpausen von je 10-20 Minuten. Nach dem Wettkampf habe ich mit dem Stillen meistens eine Stunde gewartet. Häufig haben die Babies dann auch geschlafen, als ich ins Ziel kam. Außerdem hatten wir noch die abgepumpte Milch vom Morgen. Wenn die Kinder die abgepumpte Milch aus der Flasche nicht wollten, hatten sie halt noch zu wenig Hunger;-) Beim Stillen habe ich mich nie an einen besonderen Zeitplan gehalten, wie man ihn ja oft in irgendwelchen schlauen Ratgebern findet. Babies können doch noch gar keine Uhr lesen ;-) Unser Frederic wollte alle 2 Stunden ein bisschen zu essen, dann natürlich weniger. Anna-Marie alle 2-3 Stunden, dann gab es mal Pausen von 6 Stunden usw.. Es gab Zeiten, da hingen die Babies den halben Tag an Mamas Busen, weil sie wuchsen. Ich schaffte es an solchen Tagen nicht einmal Nudeln zu kochen. Aber wenn ich sie tagsüber trinken ließ, schliefen sie nachts besser. Meine kamen grundsätzlich nur einmal nachts und dann ging das Stillen ganz schnell und ich konnte wieder weiter schlafen.
Ich weiß nicht, ob ich durch die Geburten eine Leistungsverbesserung gespürt habe. Ich habe nur gemerkt, dass ich mich von Geburt zu Geburt mehr bei Training und Wettkampf quälen konnte. Vielleicht bringt das die Geburt mit sich. Außerdem machte das Training nach der neunmonatigen „Pause“ extrem viel Spaß und ich ging mit einer ungeheueren Motivation in die Wettkämpfe. Ich denke, das macht es einfach aus. Dann hat man den anderen Mädels einfach auch noch ein paar Kinder voraus ;-) Wenn du im Sommer entbindest, kannst du dich still und heimlich übern Winter vorbereiten……okay….wir haben hier auch noch neben dem Ergometer ein Laufband stehen. Die beste Anschaffung meines Mutterdaseins. Wenn die Zwerge schliefen, bzw. schlafen, konnte/kann ich laufen locker bis Intervalle. Das ist ein Vorteil und macht flexibel.
Also, ich hoffe, euch ein paar verwertbare Informationen und vor allem ein bisschen Ansporn gegeben zu haben. Training und Familie ist einfach eine Frage der Priorisierung und Organisation und wenn man den Kaffeeklatsch noch weglässt...;-)
Während der Schwangerschaft habe ich zum Radeln einfach Haralds Radhosen angezogen. Somit war das Problem gelöst. Am Bauch hatte ich keine Probleme, da die Radhose eh unterm Bauch hing. Aber dann hatte ich noch eine weite Trägerhose. Dazu passend zog ich immer irgendein Radtrikot von Harald an. Die Aldi-Trikots in L sind passend für jede Schwangere. Da kannste 30 kg zunehmen und dir passt immer noch Größe L ;-)
Also werdende Mütter, genießt die Schwangerschaft und macht euch nicht zu viel Kopf, sondern probiert beim Sport einfach alles aus, was euch subjektiv gut tut … und: geht noch ausgiebig ins Kino und fein Essen und ähnliches, denn das macht ihr nur noch höchst selten, wenn das Kind da ist ;-)
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